DFG Graduiertenkolleg 1608 / 1 Selbst-Bildungen. Praktiken der Subjektivierung in historischer und interdisziplinärer Perspektive

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"Selbst-Bildungen. Praktiken der Subjektivierung in historischer und interdisziplinärer Perspektive"

Wie wird ein Subjekt zum Subjekt? Auf den ersten Blick stellt sich diese Frage erst im Zeitalter des Internets, dessen unzählige Foren die Möglichkeit zu bieten scheinen, sich ständig neu zu erfinden. Aber lassen sich vergleichbare Phänomene womöglich bereits in der Geschichte finden? Während sich wissenschaftliche Diskurse bislang vor allem auf die theoretische Frage konzentriert haben, was das Subjekt sei und ab wann in der Geschichte von einem Subjekt gesprochen werden könne, befasst sich das Graduiertenkolleg mit der historischen Dimension von Selbst-Bildungen.

In Weiterführung praxeologischer Konzepte geht es der Frage nach, wie Akteure in verschiedenen Kontexten zu Subjekten gemacht werden, sich selbst zu Subjekten machen und als solche erkennbar werden: durch Habitus, Sprache, Bilder und Artefakte. Die Frage nach der Genese von Subjekten wird einerseits theoretisch und empirisch im historischen Längsschnitt untersucht und die Gleichsetzung von Subjekt und Moderne kritisch reflektiert. Andererseits werden durch einen dezidiert interdisziplinären Blickwinkel fachspezifische Engführungen überwunden. Im Mittelpunkt des Projektes stehen zwei Beobachtungsperspektiven: a) Geschichte sowie b) Körper, Räume und Materialitäten. Sie gestatten es, das Soziale nicht primär über intentional handelnde Akteure, Sprache und Sinn zu erschließen, sondern es als ein beobachtbares körperliches Geschehen verschiedener, in den „Spielzügen“ sozialer Praktiken miteinander verflochtener Handlungsträger zu thematisieren. Unter sozialen Praktiken werden Komplexe sozial geregelter und typisierter Handlungsmuster verstanden, in die sich die Menschen bei ihrem alltäglichen Tun und Handeln gleichsam verwickeln. Im Unterschied zu Handlungen gehen Praktiken nicht von Subjekten aus, sondern Subjekte schaffen und bilden sich in Praktiken.

Als Orte der Subjektbildung sind Praktiken stets eingebettet in umfassende historische, soziale und kulturelle Kontexte. Letztere umfassen einen stets wandelbaren Bestand einflussreicher Gebräuche und Wissensbestände, auf die die Akteure zurückgreifen, um sich dadurch als Subjekte zu zeigen, die mit der Welt klarkommen, sie aber auch verändern. Aus dieser Perspektive wird nicht nur die reproduzierende sondern erstmals auch die transformierende Dynamik sichtbar, die von Subjektivierungs-Praktiken ausgeht. Sie erlaubt neue Erklärungen für das Verständnis gesellschaftlichen Wandels, sozio-kultureller Verwerfungen und Neuorientierungen.


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"Self-Making. Practices of subjectivation in historical and interdisciplinary perspective"

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